Safran in der Frauengesundheit

Safran in der Frauengesundheit

Frauen haben im Durchschnitt etwa 50 % weniger Serotonin im Gehirn als Männer

Dieses Ungleichgewicht erklärt mit, warum Frauen häufiger unter Stimmungsschwankungen, Angststörungen und Depressionen leiden. Serotonin, oft als „Glückshormon“ bezeichnet, ist ein zentraler Neurotransmitter, der nicht nur für emotionale Stabilität, sondern auch für Schlaf, Appetit, Schmerzempfinden und hormonelle Balance verantwortlich ist. Die geringere Serotoninaktivität bei Frauen hängt unter anderem mit hormonellen Schwankungen zusammen – insbesondere mit Östrogen, das die Serotoninsynthese, -freisetzung und -rezeptordichte beeinflusst. Sinkt der Östrogenspiegel, etwa in der Lutealphase oder in den Wechseljahren, fällt auch der Serotoninspiegel.


„Chronischer Stress trifft Frauen biochemisch anders. Unser hormonelles System reagiert sensibler, die Stressachse wird schneller überaktiv. Ein gezielter Einsatz von Pflanzenstoffen kann helfen, dieses biochemische Gleichgewicht wiederherzustellen – und Resilienz von innen heraus zu stärken.“

Dr. Dorothea Portius

Zyklusbedingte Dysbalancen im Serotoninhaushalt

Dieser Zusammenhang wird zunehmend in der Forschung bestätigt. Studien zeigen, dass Frauen während der Menstruation, Schwangerschaft und Menopause besonders anfällig für serotonerge Dysbalancen sind. Eine Metaanalyse von Albert et al. (2015, Biological Psychiatry) beschreibt, wie Östrogen direkt auf die Aktivität der Tryptophanhydroxylase 2 wirkt – das Schlüsselenzym, das aus der Aminosäure Tryptophan Serotonin bildet. Ein Mangel an Östrogen kann somit biochemisch den Serotoninhaushalt beeinträchtigen.

Genau hier setzt Safran an – ein uraltes, aber wissenschaftlich zunehmend beachtetes pflanzliches Mittel. Der Safran-Extrakt (Crocus sativus L.) enthält bioaktive Substanzen wie Crocin, Crocetin, Picrocrocin und Safranal, die direkt auf den Serotoninstoffwechsel wirken. Mehrere klinische Studien konnten zeigen, dass Safran die Wiederaufnahme von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin hemmt – ähnlich wie moderne Antidepressiva, jedoch ohne deren typische Nebenwirkungen.

Eine der bekanntesten Untersuchungen stammt von Akhondzadeh et al. (2005, Phytotherapy Research): In einer randomisierten, doppelblinden Studie wurde Safran-Extrakt (30 mg/Tag) über sechs Wochen mit Fluoxetin verglichen. Das Ergebnis: Beide zeigten eine vergleichbare Verbesserung der depressiven Symptome – allerdings ohne die bei Fluoxetin häufig auftretenden Nebenwirkungen wie Libidoverlust. Eine neuere Metaanalyse von Lopresti und Drummond (2014, Journal of Integrative Medicine) bestätigte diese Wirkung: Safran zeigte in acht kontrollierten Studien eine signifikante antidepressive und angstlösende Wirkung, sowohl bei Frauen als auch bei Männern.

„Safran ist eine der wenigen Pflanzen, die direkt auf unsere Stressachse wirken. Er hilft, Cortisol zu regulieren und das emotionale Gleichgewicht wiederherzustellen – besonders in Phasen hormoneller Veränderungen, in denen viele Frauen empfindlicher auf Stress reagieren.“

Dr. Dorothea Portius


Safran bei Prämenstruellem Syndrom

Für Frauen ist Safran jedoch besonders interessant, da er nicht nur die Stimmung stabilisiert, sondern auch hormonelle und prämenstruelle Symptome lindern kann. Eine doppelblinde Studie von Agha-Hosseini et al. (2008, BJOG) zeigte, dass 30 mg Safran täglich über zwei Menstruationszyklen die Symptome des prämenstruellen Syndroms (PMS) – insbesondere Reizbarkeit, Müdigkeit und Heißhunger – deutlich reduzierten. Gleichzeitig berichteten die Teilnehmerinnen von einer verbesserten Lebensqualität und einem ausgeglicheneren Schlaf.

Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass Safran antioxidativ und neuroprotektiv wirkt. Crocin und Crocetin schützen die Nervenzellen vor oxidativem Stress, fördern die Neuroplastizität und wirken regulierend auf das Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-System (HPA-Achse). Diese Effekte können langfristig zur Stabilisierung des hormonellen Gleichgewichts beitragen – ein Aspekt, der gerade in hormonellen Übergangsphasen wie der Perimenopause bedeutsam ist. Zudem wirkt Safran allgemein stimmungsaufhellend, stressreduzierend und konzentrationsfördernd – unabhängig vom Geschlecht.

Vorteile eines ganzheitlichen Wirkprofils

In der modernen Forschung wird Safran deshalb zunehmend als pflanzliches „Serotonin-Modulator“ betrachtet – mit einem ganzheitlichen Wirkprofil, das Psyche, Hormone und Nervensystem gleichzeitig anspricht. In einer Welt, in der immer mehr Menschen an Reizüberflutung, Stress und Schlafstörungen leiden, ist Safran eine natürliche Möglichkeit, die innere Balance wiederzufinden.

Während synthetische Antidepressiva oft in der akuten Phase eingesetzt werden, könnte Safran langfristig helfen, das emotionale Gleichgewicht präventiv zu stärken. Seine Wirksamkeit ist inzwischen durch mehr als 20 klinische Studien belegt, seine Verträglichkeit außergewöhnlich gut.

Safran ist somit weit mehr als ein Gewürz. Er ist eine Brücke zwischen moderner Neurowissenschaft und traditioneller Pflanzenmedizin – ein Beispiel dafür, wie die Natur oft schon Lösungen bereithält, die wir erst langsam wieder verstehen. Besonders für Frauen, deren Serotoninsystem empfindlicher auf hormonelle Schwankungen reagiert, kann Safran zu einem echten Segen werden – sanft, effektiv und tiefgreifend zugleich.

 

Referenzen

  • Albert, K. M. et al. (2015). The role of estrogen in depression and anxiety disorders. Biological Psychiatry, 78(3), 163–173.
  • Akhondzadeh, S. et al. (2005). Crocus sativus L. in the treatment of mild to moderate depression: A double-blind, randomized trial. Phytotherapy Research, 19(2), 148–151.
  • Lopresti, A. L., & Drummond, P. D. (2014). Saffron (Crocus sativus) for depression: A systematic review of clinical studies. Journal of Integrative Medicine, 12(3), 197–204.
  • Agha-Hosseini, M. et al. (2008). Crocussativus L. (saffron) in the treatment of premenstrual syndrome: A double-blind, placebo-controlled trial. BJOG, 115(4), 515–519.
  • Shahpari, M. et al. (2014). The effect of saffron on semen parameters and erectile function: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Urology Journal, 11(3), 1975–1981.


Haftungsausschluss

Dieser Artikel dient nur zu Bildungszwecken und ist nicht als medizinische Beratung gedacht. Konsultieren Sie immer Ihren Arzt, bevor Sie mit der Einnahme neuer Nahrungsergänzungsmittel beginnen.

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